Agatha Christie

Mord mit Manieren

Lesezeit: 2 Minuten

Agatha Christie war nie laut. Sie beobachtete – still, präzise, gefährlich aufmerksam. Während ihre männlichen Kollegen das Drama suchten, interessierte sie sich für das Detail: den falsch abgewischten Teelöffel, das Zögern in einem Satz, das kleine menschliche Durcheinander, das irgendwann tödlich endet.

Dr. Franziska Feichter
am 5. November 2025

Agatha Christie war nie laut. Sie beobachtete – still, präzise, gefährlich aufmerksam. Während ihre männlichen Kollegen das Drama suchten, interessierte sie sich für das Detail: den falsch abgewischten Teelöffel, das Zögern in einem Satz, das kleine menschliche Durcheinander, das irgendwann tödlich endet.

Sie war keine Feministin im kämpferischen Sinn – sie war schlimmer. Klug, höflich und völlig unbeeindruckt davon, was man ihr zutraute. Ihr Humor war so trocken, dass man ihn manchmal erst beim zweiten Lesen bemerkte – und genau das machte ihn unwiderstehlich.

Sie schrieb über Mord, als wäre es ein Gesellschaftsspiel. Jeder hat ein Alibi, jeder ein Geheimnis, und fast alle eine Schwäche. Christie wusste: Die menschliche Natur ist nicht tragisch, sie ist schlicht – und das ist der eigentliche Schock. Wenn ihre Figuren die Nerven verlieren, bleibt sie ruhig. Keine Action, kein Blut, kein Geschrei – nur eine Frau mit Verstand, die längst verstanden hat.

Ihr Privatleben war ein kleines Rätsel für sich. 1926 verschwand sie spurlos, ließ Auto und Ehemann zurück und tauchte elf Tage später in einem Hotel wieder auf – angeblich ohne Erinnerung. England war entsetzt, sie blieb ungerührt. Vielleicht war das ihre subtilste Rache: einmal die Hauptrolle spielen – und niemand weiß, was wahr ist.

Was sie tat, wenn sie keine Morde skizzierte?

Sie reiste. Viel. Am liebsten mit dem Orientexpress, später auf archäologischen Expeditionen durch Syrien und den Irak – in Leinenkleidern, mit Notizbuch und Hut. Unauffällig, aber nie belanglos. Dort, in der Hitze der Ausgrabungen, schrieb sie zwischen Scherben und Staub ihre Romane weiter. Ihr zweiter Mann, Archäologe, soll gesagt haben, er habe sie geheiratet, weil sie immer ruhig blieb, wenn Dinge zerbrachen. Eine Liebeserklärung auf britisch.

Christie mochte Ordnung, aber sie suchte das Unbekannte. Sie liebte Routinen, aber sie reiste durch Wüsten. Sie hatte eine Schwäche für Krimis, aber keine für Dramen. Vielleicht liegt genau darin ihr Vermächtnis: Sie nahm das Leben ernst – aber nie persönlich.

Heute würde man sie „unaufgeregt klug“ nennen. Eine Frau, die die Welt verstand, ohne sie ständig erklären zu müssen. Und während andere über Authentizität diskutieren, hätte sie vermutlich nur gelächelt, Tee eingeschenkt – und still notiert, wer im Raum am nervösesten war.

Agatha Christie. 66 Romane. 2 Milliarden verkaufte Bücher. Und kein einziger überflüssiger Satz. agathachristie.com

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