Schönheit, Form und Herkunft

Kayan-Frauen

Lesezeit: 3 Minuten

Die Halsringe der Kayan-Frauen wirken für Außenstehende fremd. Für die Frauen selbst gehören sie zum Alltag. Ein Mädchen erhält ihre ersten Ringe in einem Alter, in dem man nicht über Identität nachdenkt, sondern nur übernimmt, was die Umgebung als selbstverständlich lebt. Diese Vertrautheit ersetzt jede Erklärung – und darin liegt der entscheidende Punkt.

Früh geprägte Muster werden nicht hinterfragt.
Sie werden zu einer inneren Normalität, die später kaum noch als „Form“ erkennbar ist. Der französische Phänomenologe Maurice Merleau-Ponty schrieb, der Körper bilde Gewohnheiten, bevor das Bewusstsein darüber entscheidet. Was lange genug da ist, wird nicht interpretiert – es wird gelebt.

Dr. Franziska Feichter
am 21. November 2025

Die Halsringe der Kayan-Frauen wirken für Außenstehende fremd. Für die Frauen selbst gehören sie zum Alltag. Ein Mädchen erhält ihre ersten Ringe in einem Alter, in dem man nicht über Identität nachdenkt, sondern nur übernimmt, was die Umgebung als selbstverständlich lebt. Diese Vertrautheit ersetzt jede Erklärung – und darin liegt der entscheidende Punkt.

Früh geprägte Muster werden nicht hinterfragt.
Sie werden zu einer inneren Normalität, die später kaum noch als „Form“ erkennbar ist. Der französische Phänomenologe Maurice Merleau-Ponty schrieb, der Körper bilde Gewohnheiten, bevor das Bewusstsein darüber entscheidet. Was lange genug da ist, wird nicht interpretiert – es wird gelebt.

Ein Alltag ohne Symbolik
Die Kayan leben im Osten Myanmars, manche Familien seit Jahrzehnten auch in nordthailändischen Grenzregionen. Ihr Alltag ist gemeinschaftsorientiert, landwirtschaftlich, strukturiert durch Routinen. Die Ringe sind sichtbar, aber nicht programmatisch. Sie definieren weder Status noch Besonderheit. Sie sind eine Konstante, die mitläuft – so selbstverständlich wie viele Muster, die im eigenen Leben wirken, ohne dass man sie je ausdrücklich gewählt hat.

Kayan-Mädchen beim Weben | Foto: Daphnusia, Alamy

Was bleibt – und was sich verändert
Nur wenige Hundert Frauen tragen die Ringe heute noch. Manche führen die Praxis fort, andere legen sie ab. Diese Entscheidungen sind selten ideologisch. Sie entstehen im Verhältnis zur eigenen Lebenslage. Was man seit der Kindheit trägt, wirkt wie ein Teil des Körpers.

Wer etwas ablegt, tut das nicht aus Abgrenzung, sondern weil ein Kontext sich verändert hat und eine Form sich nicht mehr ganz mit dem eigenen inneren Takt verbindet. Solche Übergänge verlaufen nicht zwischen Tradition und Moderne, sondern zwischen stimmig und nicht mehr stimmig.

Mechanik statt Mythos
Anthropologische Untersuchungen der University of Chiang Mai und der Smithsonian Institution zeigen seit Jahren dasselbe mechanische Muster: Die Knochen verlängern sich nicht. Das konstante Gewicht der Ringe drückt die Schultern langsam nach unten. Die Silhouette entsteht aus Konstanz, nicht aus Eingriff.

Wiederholung als innerer Maßstab
Was die Ringe bei den Kayan sichtbar machen, gilt in anderer Form für viele Frauen heute. Ein Körperbild entsteht selten aus Überzeugung. Es entsteht durch Wiederholung. Die Harvard-Psychologin Nancy Etcoff beschreibt Körperbilder als „früh gelernte Wahrnehmungsgewohnheiten“. Was wir lange genug sehen, wird zur inneren Norm. Muster, die Bestand hatten, wirken nicht wie Muster. Sie wirken wie Natur. Und genau deshalb halten sie sich – nicht weil sie immer noch passen, sondern weil sie vertraut sind.

Schönheit und Form | Foto: Marc Anderson, Alamy

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Die stille Entstehung von Identität
. Vielleicht liegt darin der stille Kern dieser Tradition: Sie zeigt, wie leise sich Identität bildet. Nicht über Entschlüsse, sondern über das fortgesetzte Leben einer Form. Nicht durch äußeren Druck, sondern durch Nähe. Nicht durch Überzeugung, sondern durch jahrelange Gewöhnung, die Körper und Selbstgefühl gleichzeitig prägt.

Und genau dadurch rückt die Frage näher, als der kulturelle Abstand vermuten lässt: Welche Formen tragen wir weiter, weil sie uns wirklich entsprechen – und welche nur, weil sie einmal selbstverständlich waren und nie unterbrochen wurden?

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